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Musik beim Essen ist uns heute
allgegenwärtig! Kaum ein Restaurant ohne Musik! Und früher?
Als Georg Philipp Telemann 1733 seine
Musique de table veröffentlichte, gab es bereits 206
Subskribenten aus ganz Europa, die auf dieses Meisterwerk warteten
und bereit gewesen waren, den Preis von sage und schreibe acht
Reichstalern im Voraus zu bezahlen. Telemann war zu der Zeit bereits
ein sehr bekannter Komponist, doch blieb es ein gewisses Wagnis,
diese erhebliche Summe in Noten zu investieren, ohne dass man auch
nur den geringsten Klangeindruck bekommen konnte.
Das Vertrauen, welches die Damen und
Herren des Adels aber auch Kaufleute und Musikerkollegen (darunter
auch Quantz und Händel) in ihn und sein Werk gesetzt hatten,
wurde nicht enttäuscht! Bis heute faszinieren die wunderschönen
Klänge und der Ideenreichtum der Melodien der unterschiedlichen
Sätze der Trios und Quartette. Telemann komponierte abwechselnd
in den verschiedenen Stilrichtungen die damals en vogue waren und
schaffte es so, den italienischen, französischen und deutschen
Klang in einem großen Werk zu vereinen.
Diese Musik war tatsächlich als
Gebrauchsmusik gedacht, kaum vorstellbar für uns heute, die wir
die Musik ja inzwischen möglichst störungsfrei im
Konzertsaal hören wollen und uns jegliche Essgeräusche
empört verbitten würden.
Nicht so damals. In Ermangelung eines
CD players wurde live Musik gespielt, jedenfalls dort, wo man es sich
leisten konnte und über die entsprechenden Musiker verfügte.
Das war aber keine Erfindung des Barock. Durch frühe Schrift-
und Bildzeugnisse wissen wir, dass schon die alten Ägypter, die
antiken Römer und Griechen sich beim Essen Musik vorspielen
ließen.
Natürlich war Telemann nicht der
erste berühmte Tafelmusikkomponist. Schein verdanken wir die
Banchetto musicale (1617) und Delalande die Symphonies pour les
Soupers du Roy (1703, 1713, 1727,1746) Sammlungen von jeweils 185 und
ca. 300 Stücken, die extra für die musikalische Begleitung
der Abendessen Ludwigs des XIV. und später Ludwigs des XV.
komponiert worden sind.
Diese Soupers muss man sich in etwa so
vorstellen : um 22 Uhr begab sich Louis X IV zu Tisch. Sein Platz war
an der Mitte der Tafel. Er saß mit dem Rücken zum Kamin
und genau ihm gegenüber befand sich das Podest auf dem die
Musiker waren. Mitglieder der königlichen Familie saßen
auch an der Tafel des Königs, sein Leibarzt und Günstlinge
des Königs standen hinter ihm, Höflinge und Neugierige
drängten sich bis an die Tür, es war allemal besser, einen
Stehplatz im Gewühl zu haben, als nicht dabei zu sein. Das
Souper umfasste 4 Gänge: Suppe, Vorspeise, Braten und
Süßspeisen. Das erste Stück erschallte beim Eintritt
des Königs und dem Auftragen des ersten Ganges. Dann folgten die
jeweiligen Tänze der Suiten oder Symphonien. Das Souper endete
um 23 Uhr von einer Fanfare begleitet.
Wir wissen nicht, wie sich die Musiker
dabei fühlten, wir können nur hoffen, dass sie nicht
hungrig waren, damit ihr knurrender Magen nicht eine eigentümliche
Dissonanz zu dieser wirklich schönen Musik hinzufügte.
Ebenso bleibt zu hoffen, dass die Trompeter nicht sehen mussten, wie
ihr Souverän in eine Zitrone biss, das hätte ihnen doch
glatt den Ton verdorben.
Louis XIV schätzte seine Musiker
immerhin. Das war nicht überall der Fall. Es gab auch Fälle,
wo die Musiker hinter Blattgruppen versteckt wurden, damit man sie
hörte, aber nicht sah. Das bedeutete für die Musiker, dass
sie das Essen zwar rochen, aber nicht mit ansehen mussten, wie die
Feiernden sich die Bäuche voll schlugen, das hätte nur
Begehrlichkeiten geweckt.
Außerdem mussten sich die Musiker
auf ihre Kunst konzentrieren, man sollte nicht vergessen, dass es
sich besonders bei Telemann um hoch virtuose Kompositionen handelt,
die zwar „nebenbei“ zu hören sind, deren Aufführung
aber ganz bestimmt nicht nebenbei gelingt.
Musik zum Tafeln ist uns heute
allgegenwärtig! Kaum ein Restaurant ohne Musik! Kaum eine
Pizzeria kommt ohne italienische Schmachtfetzen wie o sole mio aus,
kaum eine griechische Taverne, kaum ein türkisches,
chinesisches, bayrisches, russisches Restaurant ohne landestypische
Klänge. Folklore oder Pseudofolklore oder Folklorepop von mehr
oder minder guter Qualität. Gehobenere Restaurants greifen gerne
zum Klassikmix oder zur Jazzmischung. Für Bars gibt es lounge
Musik oder die jeweils angesagte Musik ihrer Zielgruppe. Und es gibt
auch immer noch den Mann am Klavier – und manchmal auch die Frau.
Barpianist zu sein bedeutet harte Arbeit. Er oder sie beeinflusst
durch die Auswahl der Stücke die Stimmung des Publikums auf
subtile Art und Weise. Es ist fasst immer zu dunkel, als dass er oder
sie nach Noten spielen können, also müssen sie über
ein umfassendes Repertoire an Stücken verschiedener
Stilrichtungen verfügen und obendrein noch in der Lage sein, den
einen oder anderen Publikumswunsch zu erfüllen. Es gilt, ein
Gleichgewicht zwischen Improvisation und Komposition zu herzustellen.
Im Konzertsaal wird dem Künstler
die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums zuteil, in der Bar oder
im Teesalon muss er oder sie darauf verzichten können, ähnlich
wie seinerzeit die Musiker die die Tafelfreuden der Könige
bereicherten.
Für Sie zu Hause stellt sich die
Frage je nach Gelegenheit. Krautrock zum Choucroute, irische Balladen
zum Guinness und Schlager zu Schlagsahne? Oder einfach mal in Ruhe
genießen? Im Zweifelsfalle tafeln mit Tafelmusik!
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